Nachrichten // Wismar, 02. Juni 2009
Die letzte ordentliche Sitzung der Bürgerschaft der Hansestadt Wismar
hatte es in sich. Gleich drei Beschlussvorlagen gab es, nachdem auf der
vorhergehenden Sitzung der Beschluss der Bürgermeisterin zum Einbau
einer Stahlbetondecke auf dem Kellergeschoss der 'Alten Schule'
durchgefallen war. Die Bürgermeisterin wollte die instand gesetzten
Kellerwände wieder zuschütten, die FDP wollte bis August 2009 durch die
Verwaltung konzeptionelle Entscheidungsvarianten einfordern und die SPD
hat den vorher durchgefallenen Beschluss der Bürgermeisterin wieder
aufgegriffen und den Neubau der 'Alten Schule' inklusive der Massivdecke
eingebracht.
Das Tempo, mit dem die Bürgermeisterin und ihre Regierungskoalition eine
Entscheidung zur alten Schule erzwingen will, macht deutlich, dass hier
die Bürgerbeteiligung und die Entwicklung von langfristigen
Gestaltungskonzepten verhindert werden sollen. Frau Dr. Wilken will sich
ein Denkmal setzen und die SPD-CDU-Koalition steht ihr mit
Fraktionsdisziplin (oder eher Fraktionszwang) stramm zur Seite.
Ich kann mich des Gedankens von Parteisoldaten, die der Obrigkeit ohne
Widerspruch diszipliniert folgen, nicht erwehren. Welchen Stellenwert
erhält hier die parlamentarische Demokratie?
Die Wähler der Stadt Wismar sollten wissen, welches Politikverständnis
sie mit SPD und CDU wählen … die Parteien, die aktuell eine unsägliche
Diskussion zum Unrechtsstaat vom Zaun gebrochen haben, lassen keinen
Zweifel an ihrem Durchsetzungswillen eigener Interessen. Die
Bürgermeisterin konnte, trotz mehrfacher Aufforderung durch den
Sanierungsausschuss, keine Alternativlösungen anbieten. Sie hat immer
wieder die Vorlage mit der Stahlbetondecke eingebracht.
Dass Alternativen möglich sind, zeigt der Brief vom Wismarer Architekten
Hermann Ziegenhals. Er hat auf Grund von Presseveröffentlichungen
unaufgefordert konzeptionelle Ansätze zur Sicherung des Kellergeschosses
und zum weiteren Vorgehen bei der Ausgestaltung des Gotischen Viertels
an die Fraktionen gesandt. Für die Fraktion 'DIE LINKE' war das
schließlich Anlass, nachdem die Verwaltung dieses Schreiben ignorierte,
einen Änderungsantrag zum Beschluss der Bürgermeisterin einzubringen.
Damit sollte erreicht werden, dass das Kellergeschoss durch eine
verglaste Interimshalle (vorläufige Übergangshalle) gesichert wird, um
den Bürgern der Stadt, den Abgeordneten und der Verwaltung Zeit zu
geben, eine von allen Seiten getragene, sinnvolle Lösung für dieses
Objekt zu erarbeiten. Jetzt wird ein Gebäude aufgebaut, von dem weder
Kosten noch spätere Nutzung bekannt sind.
So funktioniert Demokratie nicht. Das ist Willkür - Bürgerwille ist
ausgeschaltet und Steuermittel werden verplant, die in Zukunft besser
für soziale Belange (wie z.B. kostenlose Essensversorgung in KiTa und
Hort) verwendet werden sollten. Offensichtlich verhalten sich die
Koalitionsparteien in Wismar genau so machtbesessen wie im Bundestag...
das sollte jeder Wähler am 07.06.2009 bei seiner Entscheidung bedenken.
Uwe Boldt
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