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Nachrichten // Wismar, 03. November 2009

Zoff um Alte Schule

Wismarer Regierungskoalition überstand nur knapp erste Zerreißprobe nach den Kommunalwahlen

 

Die unendliche Geschichte um den Nachbau der Alten Schule erlebte einen weiteren Höhepunkt. Einige SPD-Abgeordnete sind nicht mehr bereit dem Kellergeschoss der Alten Schule einen Sargdeckel aus Stahlbeton zu verpassen. Diese offene Rebellion gegen die Vorstellungen und den Willen der Bürgermeisterin ist in den vergangenen Jahren in Wismar so nicht erlebt worden. Vernunft scheint sich scheinbar doch noch durchzusetzen - wenn auch mit sehr viel 'Schmerz' und Unruhe in der Regierungskoalition.

Es ist gegenwärtig nicht klar zu erkennen, ob der Stern unseres Stadtoberhauptes bereits jetzt verblasst oder ob die Entscheidungsfindung und die Art und Weise der Amtsausübung von Frau Dr. Wilken sowie deren Umgang mit der Bürgerschaft, den Abgeordneten der Stadt auch für die SPD nicht mehr zu ertragen ist ?
Die Opposition kritisiert seit Langem die Informationspolitik und die Art- und Weise, wie durch Zersplitterung von Bauaufträgen, auch im gotischen Viertel, Baumaßnahmen an der Bürgerschaft vorbei, durchgesetzt werden.

Vorlagen werden eingebracht, die scheinbar keine grundsätzliche Bedeutung haben weil Folgebeschlüsse zu den konkreten Maßnahmen erforderlich sind. Daraus begründet dann die Bürgermeisterin Jahre später ihre eigenen Entscheidungen und reagiert bei Nachfrage immer wieder ganz verblüfft mit den Worten: „Das haben Sie doch selbst beschlossen“.
In solchen Situationen ist sich die Rathaus-Chefin stets sicher, dass keiner der Abgeordneten nach so langer Zeit den Beschluss noch wörtlich kennt. Bei Prüfung stellt sich heraus, dass die ursprüngliche Vorlage in 2 Richtungen interpretierbar ist.
Die Hinweise der Opposition wurden von den Regierenden oft in der Diskussion der Vorlagen nicht ernst genommen. Der Unmut in der SPD ist bei solchen Äußerungen dann durchaus verständlich.

Jetzt wird scheinbar wieder Realitätssinn in der SPD und evtl. auch in der CDU sichtbar. Es finden sich Mehrheiten, die eine grundsätzliche, konzeptionelle Entscheidung zur weiteren Aus- und Umgestaltung sowie zur Nutzung des Gotischen Viertels, in dem die Alte Schule stand, als Voraussetzung aller weiterer Entscheidungen ansehen.
Auf der Sondersitzung und der folgenden regulären Bürgerschaftssitzung konnten wir als Fraktion DIE LINKE unsere konsequente Haltung gegen in Beton gegossene Tatsachen im gotischen Viertel durchsetzen.

Nachdem wir auf der Sondersitzung am 15.09.2009 mit einem Änderungsantrag die Versiegelung des Kellergeschosses der Alten Schule verhindern konnten, ist in der Regulären Sitzung am 29.10.2009 dann mit der Ablehnung der 2 Vorlagen der Bürgermeisterin und dem Auftrag an sie für die längst fällige Sicherung des Kellergeschosses zu sorgen, der Durchbruch scheinbar gelungen.
 
Der weitere Verlauf der Entscheidungsfindung wird zeigen, ob zum Ende der Amtszeit der Bürgermeisterin wieder Sachentscheidungen möglich sind.
Es bleibt mit Sicherheit weiter spannend und ich vermute, dass dieses nicht der letzte Artikel zum Gotischen Viertel und der Alten Schule sein wird.
 
Uwe Boldt
Fraktion DIE LINKE der Bürgerschaft der Hansestadt Wismar

 

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