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Nachrichten // Standpunkt, 11. Januar 2010

Ein Arbeitsmarkt im Wandel

Die Zahl der Beschäftigten, die ihren Lebensunterhalt und den ihrer Familie mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag mit Vollzeit absichern kann, nimmt immer mehr ab. Rund 60 Prozent aller Beschäftigten haben noch einen unbefristeten Vollzeitjob. Im Vergleich zu 2001 bedeutet dies eine Abnahme um 4,6 Prozent. Betroffen sind hier vor allem Frauen und Beschäftigte im Dienstleistungssektor.

Im internationalen Vergleich nimmt Deutschland damit hinter Polen, Niederlande, Luxemburg und Malta einen traurigen Platz ein. In den meisten Mittel- und Osteuropäischen Staaten steigt die Zahl der normalen vollzeitbeschäftigten Arbeitsverhältnisse. Diese Ergebnisse lieferten die Bertelsmann-Stiftung und das Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit in einer Studie am 11.01.2010.

Ebenfalls stellte die Studie fest, dass Geringverdiener kaum von Lohnerhöhungen profitierten und zudem durch hohe Steuer- und Sozialabgaben zusätzlich betroffen sind.
Es zeichnet sich immer mehr ab, das Beschäftigte den Lebensunterhalt nicht mehr durch einen sondern durch mehrere Niedriglohnjobs absichern müssen. Die Belastung für die Beschäftigten, deren Familien und das soziale Umfeld werden weiter wachsen. Zukunftsängste bestehen schon jetzt in weiten Teilen unserer Gesellschaft und da muss man sich nicht fragen, warum wir keine steigenden Geburtenzahlen zu verzeichnen haben.

Viele Familien, die sich ihren Traum vom eigenen Häuschen erfüllt haben, stellen die absehbaren Entwicklungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt vor immer schwierigere Herausforderungen. Existenzen und persönliche Schicksale stehen auf dem Spiel. Besonders traurig sehe ich die Entwicklung, dass einige Arbeitgeber diese Tendenzen ausnutzen. Vollzeitbeschäftigung wird abgebaut und der Niedriglohnsektor ausgebaut – so wird Gewinn maximiert. Auch bei uns in Mecklenburg traurige Realität.

Arbeit und Mindestlöhne, die Beschäftigten und ihren Familien ermöglichen, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, bezahlbare Krippen- und KITA-Plätze, bezahlbare Mieten für Wohnraum und vor allem die Teilhabe auch von sozialschwachen Familien am gesellschaftlichen Leben sind notwendig. Es wundert mich daher kaum, dass rechte Parteien so ein großes Potential an Protestwählern haben und die Zahl der Nichtwähler immer mehr ansteigt. Die Politik hat massiv an Glaubwürdigkeit verloren! Es liegt an derselben, alte Grabenkämpfe zu beenden und gemeinsam alle Anstrengungen zu unternehmen, um die aktuellen Probleme in den Griff zu bekommen.

 

Roy Rietentidt
Proseken
Kreisvorsitzender DIE LINKE.

 

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