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Pressespiegel // Ostseezeitung, 09. Juni 2009

Kantersieg für Michael Heinze

Michael Heinze gewinnt die Bürgermeisterwahl in Schönberg als Kandidat der Linken mit klarem Abstand: 72,17 Prozent.

Schönberg Ein Kandidat der Linken hat am Sonntag bei der Bürgermeisterwahl in Schönberg einen Kantersieg erreicht. Von 1588 Wählern gaben 72,17 Prozent ihre Stimme Michael Heinze, der mit der Fraktion der Linken auch in den neuen Kreistag von Nordwestmecklenburg einziehen wird. Drei weitere Bürgermeisterkandidaten landeten in Schönberg deutlich abgeschlagen auf den Plätzen zwei bis vier: Einzelbewerber Lutz Götze mit 11,4 Prozent, CDU-Kandidat Dennis Klüver mit 11,15 Prozent und Einzelbewerber Jörn Callies mit 5,29 Prozent.
Ehrenamtlicher Bürgermeister in der 4600 Einwohner zählenden Kleinstadt im Nordwesten Mecklenburgs ist Michael Heinze seit 2004. Damals bekam er mit 54,9 Prozent der Stimmen mehr Zuspruch der Wähler als die beiden Mitbewerber Dennis Klüver und Jörg Sommer (Liberale Wählergemeinschaft) zusammen. Bei der Wahl der 14 Stadtvertreter kam die PDS dagegen nicht über eine Minderheit von vier Abgeordneten plus Bürgermeister hinaus. Eine Mehrheit hat die Linke auch jetzt nicht. Von den 15 Sitzen bekommt sie sieben. „Man muss weiterhin Mehrheiten suchen. Das ist auch nicht das Schlechteste“, sagt Michael Heinze. Vor der Wahl betonte er: „Wichtig ist mir, dass Sachpolitik Vorrang vor Parteiprogrammen haben muss.“ In diesem Sinne wolle er weiter arbeiten, bekundete gestern Heinze, der 1956 in Halle/Saale geboren wurde und Ende der 80er-Jahre als Kommandant der Grenztruppen tätig war. Vor 14 Tagen teilte Nordwestmecklenburgs Kreispräsident Ulrich Born (CDU) in öffentlicher Sitzung mit, Heinze und drei weitere Abgeordnete aus mehreren Fraktionen des Kreistages hätten für das Ministerium für Staatssicherheit gearbeitet. Heinze erläuterte auf Anfrage der OZ, das sei damals Teil seiner Tätigkeit gewesen und er habe niemandem geschadet.

In Schönberg spielte die DDR-Vergangenheit zwei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung nur am Rand eine Rolle. Parteien und Wählergemeinschaften gingen in ihren Wahlprogrammen nicht darauf ein, sondern konzentrierten sich auf Themen wie bedarfsgerechte Versorgung mit Kitaplätzen, Wachstum der Stadt, Kinder- und Jugendarbeit, Förderung der regionalen Wirtschaft und das Schaffen von Arbeitsplätzen.

„Es geht letzten Endes um Schönberg“, sagt Michael Heinze. Wichtig für seinen Erfolg sei auch gewesen, dass er im Gegensatz zu seinen Vorgängern versucht habe, immer für die Bürger ansprechbar zu sein.

Worin sieht der unterlegene Kandidat Dennis Klüver (CDU) Heinzes erneuten Wahlsieg begründet? In dem Votum des ehrenamtlichen Bürgermeisters für die weitere Selbstständigkeit der Grundschule „Am Oberteich“, obwohl diese nicht mehr möglich sei und sich die Stadtvertreter an die entsprechenden Gesetze zu halten hätten, sagt Dennis Klüver. Wähler seien vorgeführt und getäuscht worden und hätten sich trotzig verhalten.

Kein Lohn für Foulspiel
Von der Eleganz einer Blutgrätsche waren die Versuche, den Schönberger Bürgermeister von den Beinen zu holen. Ein Ergebnis der Birthler-Behörde wurde nach dem Bericht des Kreistagspräsidenten von Gegnern als Wahlkampfmunition benutzt — nach dem Motto: Wenn dem Kandidaten der Linken schon keine großen Vorwürfe wegen seiner sachlichen Arbeit zu machen sind, dann geht man halt in die DDR-Zeit zurück — auf dass ein großes Echo und Feindschaft entstehe.
Das Echo haben Heinzes Gegenspieler nun: über 70 Prozent für den Bewerber der Linken. Foulspiel wird halt nicht belohnt. J. L.

Linke stellt größte Fraktion in Schönberg
1624 Schönberger haben am Sonntag 14 Stadtvertreter aus fünf Listen gewählt.

Die Linke: Lutz Götze, Birka Eigner, Helge Hartmann, Anke Keller, Michael Lange, Dietmar Foy (plus Bürgermeister Michael Heinze)

Liberale Wählergemeinschaft Schönberg (LWS): Uwe Blaumann, Andreas Lau, Beate Jörke.

CDU: Dennis Klüver, Karl-Heinz Düwel

Wählergruppe „Schönberg mit Verantwortung“: Jörn Stange, Daniel Schwabe

Unabhängige Wählergemeinschaft Schönberg (UWG): Marian Stickel

JÜRGEN LENZ

 

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